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An Martin-Sebastian Abel
Abgeordneter der Grünen im Landtag NRW

 von Dr. med. Monika Müller-Klar
aus Düsseldorf-Flingern
25. Juni 2013

Sehr geehrter Herr Abel,

ich habe mir die Debatte am 21.6. über den sogenannten Nichtraucherschutz tatsächlich angetan. Es ist mehr als peinlich, dass ausgerechnet Sie als Grüner zunächst auf die sogenannten Auswüchse in dieser Demonstration eingehen, deutlich mit dem Ziel diese zu verunglimpen. Sie sind noch jung, aber doch sicher vertraut mit der Rolle der Grünen (damals, als sie noch eine Protestpartei war oder doch zumindest so tat!). Auf wie vielen Demonstrationen waren die Grünen anwesend, bei denen auch einzelne Menschen jegliche Art von Auswüchsen gezeigt haben, wie Vermum­mung, Provokationen, Steine werfen (sogar Ihr ehemaliger Vorsitzender Joschka Fischer), von denen die Grünen sich jeweils distanziert haben und meinten, dass das Ziel der Demonstration dadurch nicht in Zweifel zu ziehen sei und es innerhalb einer solchen Protestkundgebung nicht möglich sei, Jede und Jeden unter Kontrolle zu halten. Unsere Bewegung bemüht sich intensiv die Rechten herauszuhalten. Dies ist den Grünen in ihrer Parteigeschichte häufig nicht gelungen. Viel­leicht lesen sie da einfach mal in Ihrer eigenen Parteigeschichte nach? Es ist unredlich, die Ziele dieser Demonstration mit der Entgleisung Einzelner zu verunglimpfen. Aber vielleicht zeigt das nur Ihre mangelnde Argumentationmöglichkeit oder Ihre Hilflosigkeit. Oder vielleicht lügen Sie ein­fach?

Sie erklären weiter, dass das Rauchen und auch das Passivrauchen das höchste vermeidbare Ge­sundheitsrisiko sei. Nun sollten Sie zunächst einmal zwischen dem Aktiv- und dem Passivrauchen unterscheiden. Zunächst zum Rauchen: Dies ist sicherlich nicht gesund, aber mitnichten das höchste vermeidbare Gesundheitsrisiko, wie Sie sehr wohl wissen sollten. Die Hauptkrankheits- und Sterbeursache in Deutschland sind die HerzKreislauf-Erkrankungen. Die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes. Die häu­figsten Krankschreibungen sind auf Probleme des Skelettsystems zurückzuführen. Danach kommt in der Statistik die Zunahme an Krebserkrankungen. Hier stehen aber an erster Stelle Mamma- und Prostata und Darm-Ca. An 4. Stelle in der Krebsstatistik steht das Lungen-Ca, welches in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, obwohl im gleichen Zeitraum immer weniger Menschen rauchen. Erwähnt sei auch noch, dass laut einer Studie der Krankenkassen Kellner und Kellnerinnen sogar sehr viel seltener an Lungenkrebs erkranken, als z.B. Köche. Seltsam, oder? Soll da vielleicht von der zunehmenden Verschmutzung unserer Atemluft abgelenkt werden? Diese Zahlen können sie alle einfach nachlesen. Haben Sie das versäumt? Oder lügen Sie einfach?

Dazu ist es geradzu lachhaft, dass eine Partei, die dafür mitverantwortlich ist, dass Atom- und Kohlekraftwerke weiter am Netz sind, der Schadstoffausstoss von Kfz in Relation zur Größe des Autos berechnet werden (wobei heute die SUVs die Straße bevölkern), wo in der Nahrung Farbstoffe, Kon­servierungsstoffe, sogenannte naturidentische Aromastoffe erlaubt sind, wo in der Nah­rungs­mittelindustrie die Anwendung von Antibiotika und Anabolika gang und gebe ist, wo die Anwen­dung von Pestiziden und Injektiziden beim Anbau von Obst und Gemüse erlaubt sind, wo dieselben noch ca. 15 % der ursprünglichen Vitamine enthalten. Für all dies stehen auch die Grünen, die nun den Raucher und die Raucherin als die Feinde schlechthin ausgemacht haben. Wir haben eine Zu­nah­me an Lungen- und Bronchialerkrankungen? Stimmt! Seltsam, wo doch in den 30/­40/­50/­60/­70er Jahren viel mehr Menschen geraucht haben. Wo kommen die denn her? Vielleicht durch die Umweltverschmutzung, die Zunahme der Feinstäube und des CO2-Ausstosses? Für die auch Sie Verantwortung tragen? Entweder Sie haben die entsprechenden Studien nicht gelesen (was in Ihrer Funktion bedauerlich wäre!). Oder Sie lügen einfach?

Nun zum Passivrauchen: Auch Sie sprechen von den immer wieder erwähnten 3.300 Toten/Jahr durch Passivrauch. Das haben Sie wohl irgendwo abgelesen. Wie bitte wollen Sie dies verifizieren? Es gibt nicht eine einzige Studie hierüber, die Bestand hat! Wie denn auch! Sie müssten ja Men­schen in einen völlig schadstofffreien Raum sprerren, sie absolut schadstofffrei ernähren (wobei Sie immer noch nicht die genetische Disposition ausschalten könnten!) und sie dann mit Zigaret­tenrauch bedampfen, um eine solche Studie durchführen zu können. Nicht nur dies ist unmöglich, auch wenn z.B. die von der Pharmaindustrie gesponserte Deutsche Krebsgesellschaft das uner­müd­lich wiederholt, sind doch diese Studien nicht haltbar. Es werden genau 3.241 angebliche Todesfälle durch Passivrauchen genannt. Hiervon sind 1.094 über 85, 1014 zwischen 75 und 84, 706 zwischen 65 – 74 Jahre alt! Anders ausgedrückt, weil es so schön ist: Auf 100 00 Einwohner liegen die Todesfälle, die angeblich durch Passivrauchen ausgelöst sind, mit 86,74 % bei der weib­lichen Bevölkerung über 85 Jahren, 23,20 % sind es im Alter zwischen 75 und 84 Jahren. Meinen Sie nicht, die wären in diesem Alter unter Umständen sowieso gestorben? Auch die unermüdliche Aufzählung der Giftstoffe, die durch das Verbrennen einer Zigarette frei werden, einschließlich der Stoffe, die im Verdacht sehen krebserregend zu sein, führt hier nicht weiter. Durch die Verbren­nung einer Zigarette entstehen 4800 Substanzen. Bei über 70 dieser Substanzen ist nachgewiesen, dass sie krebserregend sind oder im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen (was nun? Krebserregend und im Verdacht stehend?). Haben Sie einmal nachgelesen, wieviel Verbrennungsstoffe frei gesetzt werden durch HolzKohle-Öfen, brennende Kerzen, Braten, Grillen, Anzünden eines Kamins oder Autoabgase? Aber vielleicht wollen Sie das ja demnächst auch alles verbieten? Wieviel Giftstoffe ein Bürger oder eine Bürgerin z.B. auf der Corneliusstraße in Düsseldorf einatmet? Wieviel Gift­stoffe z.B. durch die Weichmacher in Plastik auf den Menschen übergehen? Haben Sie das nicht gelesen? Oder lügen Sie einfach?

Wie bereits erwähnt, ist es auch eindeutig widerlegt, dass Kellner und Kellnerinnen stärker unter Lungen- und Bronchialerkrankungen leiden oder daran sterben. Hier sind Köche und Bäcker, aber auch Maler, Lackierer, Chemiefacharbeiter und Bergleute deutlich stärker betroffen. Aber nicht nur das, diese Kellner und Kellnerinnen, die Studenten und Studentinnen, die kleinen Selbständigen, die sie aufzählen, werden demnächst gar keinen Job mehr haben bzw. ihre kleine Existenz aufge­ben und Hartz IV beziehen dürfen. Eine wirklich gute Alternative. Haben Sie das alles ebenfalls nicht gelesen oder bedacht? Haben Sie die Studien gelesen, wie rein die Luft durch Abzugsanlagen sein kann? Oder lügen Sie einfach?

Es ist auch unrichtig, dass durch ein Rauchverbot weniger Menschen rauchen, z.B. in Norwegen ist die Anzahl gleich geblieben, in Irland sogar angestiegen.

Und wenn es noch so oft wiederholt wird, es es ebenfalls unrichtig, dass dies keine negativen Aus­wirkungen auf die Gasronomie gehabt hätte. Sowohl in England wie auch in Irland und Schottland mussten in den ersten vier Jahren nach dem Rauchverbot ca. 25 % der Pubs schießen, alleine im Großraum Paris wurden über 2000 Bistros aufgegeben, auf den Kanarischen Inseln 354 Lokale geschlossen, in Madrid sogar 700. In Belgien sind seit Einführung des Rauchverbotes am 1.7.2011 bisher bereits 2000 Lokale pleite gegangen. Haben Sie sich da nicht richtig informiert? Oder lügen Sie einfach?

Dagegen steht das „kleine“ Problem für eine Zigarette vor die Tür zu gehen. Sie denken vielleicht an Menschen, die alle vier Stunden mal eine Zigarette rauchen. Was ist mit denen, die vier Ziga­retten in einer Stunde rauchen? Die stehen ununterbrochen vor der Tür. Die Rauchersterblichkeit nimmt nun nicht aufgrund des Rauchens zu, sondern durch die Lungenentzündung, die sie sich bei dem hiesigen Wetter vor der Tür holen. Haben Sie bedacht, dass Menschen, die seit Jahren in die Kneipe gehen, um dort Fußball zu schauen, Skat zu spielen oder ihre sozialen Kontakte zu pflegen, bei dem hiesigen Wetter nicht ununterbrochen vor der Tür stehen können und wollen? Gerade dann fällt ein Tor, der Skat braucht drei Spieler, das Gespräch wird unterbrochen. Und nicht zu vergessen, die nachbarlichen Anwohner und Anwohnerinnen, die dieses „draußen Stehen“ als Belästigung empfinden und das Ordnungsamt rufen. Davon haben Sie noch nichts gehört? Oder lügen Sie einfach?

Es ist unerträglich, dass immer wieder herangeführt wird, dass in Bayern nach Einführung des so­genannten Nichtraucherschutzgesetzes angeblich die Umsätze gestiegen sein sollen. Haben Sie denn nicht zur Kenntnis genommen, dass kurz vor Einführung dieses Gesetzes die Meldepflicht in der Gastronomie nur noch für Einkommen über € 150.000,– geregelt wurde? Betroffen sind von dieser Regelung aber vorwiegend die gestronomischen Betriebe, die von einem solchen Einkom­men nur träumen können. Wußten Sie das nicht? Haben Sie ebenfalls noch nicht bemerkt, dass die Kultur der sogenannten Eckkneipen besonders im Rheinland und im Ruhrgebiet ausgeprägt ist, viel mehr als in allen anderen Bundesländern? Oder lügen Sie einfach?

Sie wohnen in Düsseldorf-Flingern wie auch ich. Sie behaupten, Sie könnten dort keine negativen Auswirkungen bei den Kneipen feststellen. Ich behaupte, Sie sind noch nie in einer Kneipe in Düsseldorf-Flingern gewesen! Sie waren noch nie im Cranach-Eck, im Birken-Eck, im Linden-Eck, im Fortuna-Eck, im Musik-Cafe, im Art-Cafe, im Golden Fass oder ähnlichen Kneipen. Sonst würden Sie solche unverschämten Behauptungen nicht aufstellen. Gehen Sie dorthin und sprechen Sie mit den Wirten und Wirtinnen! Sie haben auch nicht gelesen, obwohl es in jeder Zeitung stand, dass die „Waschbütt“ bereits wegen des Rauchverbots aufgegeben hat. Die Deger-Stuben, die ebenfalls bereits schließen mussten, haben Sie wohl noch nie zur Kenntnis genommen. Das ist sicher unter Ihrem Niveau. In diesen und ähnlichen Kneipen haben sich Menschen getroffen, um gemeinsam Fußball zu gucken, hier hatten sie ihre soziale Heimat, ihren Sparverein, ihre Freunde. Und gehen Sie einmal herum und befragen die Leute: 85 – 90 % der Gäste haben hier geraucht! Hier stehen Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel, aber auch die soziale Heimat vieler Menschen. Dies alles wissen Sie nicht? Oder lügen Sie einfach?

Die Grünen sind einmal vor vielen Jahren angetreten als Protestpartei, als Partei für Demokratie und Freiheit, als Gegenpol zum Establishment, nun ist sie eine angepasste Partei, die jeden Schmutz mitträgt, aber darüber hinaus als Verbotspartei, als Partei die die Freiheit und Selbst­bestimmung der Menschen, wo immer nur möglich, einschränken will. Was kommt als Nächstes? Verbot, die Achselhaare zu rasieren, Alkohol zu trinken, Auto zu fahren, überhaupt in Kneipen zu gehen? Ihnen wird schon was einfallen. Fakt ist, für keinen freiheitsliebenden, demokratisch denkenden Menschen ist diese Partei wählbar. Ich hoffe sehr, Sie bekommen bei den nächsten Wahlen die Quittung auch dafür.

Und Sie sollten besser beim Tierschutz bleiben. Vielleicht sind Sie da besser.

Dr. med. Monika Müller-Klar

 

   

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